09/02/2026 0 Kommentare
Hören auf Gottes Wort
Hören auf Gottes Wort
# Impulse

Hören auf Gottes Wort
1
In meiner Zeit als Lehrer habe ich meine Schüler und Schülerinnen auf das Thema „Schöpfung“ eingestimm. Hierfür habe ich eine CD dabei, auf der unterschiedliche Geräusche zu hören sind: Vögel, Wind in den Bäumen, das Klopfen eines Spechtes, Meeresrauschen, ein Frosch, Regentropfen, Gewitter, das Zirpen der Grillen und vieles mehr. Es fällt den meisten Schülern und Schülerinnen unglaublich schwer, hier etwas zu erkennen – ja überhaupt ruhig zuzuhören. Doch auf einmal ruft einer aut: „Dein Handy brummt.“ Tatsächlich, ich hatte mein Handy auf Vibrationsalarm gestellt und eine SMS empfangen. Dieses Geräusch war vielen Kindern bekannt, sie konnten es schnell zuordnen.
Ja, ich höre nur, was ich kenne und benennen kann.
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Davon erzählt auch eine alte Sage, in der ein Indianer mit einem Europäer in einer Großstadt unterwegs ist, als er das Zirpen einer Grille hört. Der Europäer aber hört auch nach dem Hinweis nichts. Da geht der Indianer zielsicher auf einen Busch zu und zeigt dort tatsächlich auf eine Grille, die hinter einem Blatt versteckt war. „Du bist nicht gewohnt, dies zu hören“, erklärt der Indianer. Und zum Beweis lässt er eine Münze fallen. Sie klimpert auf der Straße nicht lauter als die Grille und geht im Lärm fast unter. Die Menschen um sie herum drehen sich aber nach ihr um … Ich höre nur, was ich kenne und benennen kann.
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Und was höre ich im Moment? Das Radio spielt Musik, im Fernsehen die neuesten Nachrichten, Hintergrundgedudel im Kaufhaus. Ich höre Aufträge, Erlebnisse und Gerüchte, den neuesten Klatsch, Autos, Fahrradklingeln, die Bahn, Flugzeuge, Hundegebell.
Und worauf möchte ich hören – wirklich hören? Was filtere ich heraus aus allem, was täglich in mich hineinströmt? Wo hole ich mir Orientierung, Rat, Trost, neuen Mut? Gott spricht noch immer in unsere Welt hinein. Er spricht mich noch immer an – und wird nicht müde: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20). Oder: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir“ (Jesaja 43,1).
Ich höre nur, was ich kenne und benennen kann.
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Um zu hören und zu verstehen, was Gott sagt, brauche ich eine Ahnung von seiner Stimme und seinen Worten. Dafür höre ich hin und wieder auf seine Geschichten und Worte. Ich lasse sie mir zusagen in Predigt und Segen, lese sie in den Worten der Bibel. Ich höre gemeinsam mit anderen darauf und tausche mich aus, wie ich es verstanden habe. So kann ich auch mit meinen Schülerinnen und Schülern Spuren Gottes in der Welt entdecken. Und kann mit anderen mitten im Alltag auf Gottes kleine Zeichen seiner Nähe schauen. Je mehr ich mich darin schule, desto mehr wird mir auffallen, wo und wie Gott sich ausdrückt.
„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3,15) – mahnt der Wochenspruch. Wo ich mich darin übe, auf Gottes Zeichen in der Welt und sein Wort an mich zu hören, bin ich offen für das, was er mir sagen möchte. Gemeinsam mit anderen höre ich vielleicht auch Töne, die ich bisher nicht kannte, und Worte, die ich (noch) nicht verstehe.
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Der Religionsunterricht in der Schule und der Konfirmandenunterricht sind für mich dann so etwas wie eine Hör-Schule. Kinder und Jugendliche üben sich gemeinsam im Hören auf die alten Geschichten und Worte, die vom Leben und Gottes Liebe erzählen. So erkennen sie mehr von Gottes Sprechen in der Welt und in ihrem persönlichen Bereich. In Taufe, Abendmahl und dem Segen der Konfirmation hören sie dann Gottes Ja zu ihnen und ihrem Leben – bewusst und erkennend.
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