08/12/2025 0 Kommentare
Gott ist Liebe
Gott ist Liebe
# Impulse

Gott ist Liebe
Vom Haltezeichen zum Wegweiser
Gedanken über die Nächstenliebe
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Wie bringt man Menschen dazu, in der Not zusammenzustehen? Diese Frage hatten die Verantwortlichen in der Stadt Akureyri im Norden Islands, als im Jahr 2008 der Zusammenbruch der drei wichtigsten Banken des Landes eine große Finanzkrise auslöste. Das war eine Folge der Lehman-Brothers-Pleite in den USA. Die Zahlungsfähigkeit Islands war bedroht. Es gab viele Entlassungen, die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich, Löhne wurden gekürzt und etliche Isländer verarmten. Die Sorgen waren groß in dem kleinen Land. Wie sollte es weitergehen?
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Viele wirtschaftliche und politische Maßnahmen waren nötig, um die Finanzen des Landes wieder auf ein stabiles Fundament zu bringen. Und dazu mussten die Menschen gestärkt und ihnen die Sorgen genommen werden. Das, was als Idee auftauchte, um die Stimmung zu verbessern, überrascht bis heute. Wer nach Akureyri kommt, dem werden die roten Lichter an den Ampeln auffallen, die allesamt als Herzen gestaltet sind. Fußgänger wie Autofahrer sind überrascht und fragen sich, was wohl dahinterstecken mag. Die Antwort lautet: Auf diese Weise sollte dazu aufgerufen werden, dass die Menschen einander beistehen, dass sie ein Herz für den und die andere zeigen. Bis heute ist Akureyri als „die Stadt mit Herz“ bekannt und wirbt damit um Besucher.
Ich finde, das ist ein ganz wunderbares Bild: Da, wo Rot sonst eine Warnfarbe ist und „Stop“ gebietet, wird Rot jetzt zur Farbe der Nächstenliebe und weist auf diejenigen hin, die nicht genug zum Leben haben. Jeder Ampelstop erinnert an den Nächsten und dass man in der Not zusammenrücken muss. Wunderbar, oder?
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Ich wünsche mir diese Herzampel auch woanders. In Deutschland. Eigentlich in allen Straßen und Ländern der Welt. Weil sie für mich so eine starke Botschaft bringt: Da, wo man anhalten muss, wo es nicht weitergeht, wird daran erinnert, dass man füreinander da sein soll. Aus dem Haltzeichen wird ein Wegweiser – hin zum Nächsten. Das begeistert mich. Was ist das für ein Zeichen der Hoffnung, wenn ich auf diese Weise an andere denke und andere an mich! Natürlich muss diese Liebe dann auch eine aktive Umsetzung finden als Zeichen des Füreinander und Miteinander.
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Und dazu gehören auch Überlegungen wie: Was braucht unsere Gesellschaft heute? Was kann ich dazu beitragen? In einer Zeit, in der die Inflation besonders die Ärmeren im Land in eine schwierige Situation bringt, ist es nötig, sich für die gegenseitige Unterstützung einzusetzen. Der Zusammenhalt wird ja nicht durch gute Worte, sondern durch tatkräftige Hilfe gefördert. Als Christ oder Christin hat dieses Zeichen der Liebe und der Hoffnung immer mit Gott zu tun: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“, so heißt es im 1. Johannesbrief (4,16b). Die Verbindung Gottes zur Liebe kann man nicht auflösen. Sie trägt uns auch in den unsicheren, schlechten Zeiten.
Ich wünsche mir diese Zeichen der Liebe auch hier bei uns, um mitten im Alltag daran erinnert zu werden: Ich bin mit dem, was mich bewegt, nicht allein, sondern Gott ist mit seiner Liebe immer bei mir. Er weist mich auf meinen Nächsten hin. Jede rote Ampel könnte eine Erinnerung daran sein – vielleicht auch ohne das wunderschön leuchtende Herz. Für diesen Gedanken halte ich dann doch gerne an einer roten Ampel.
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