26/01/2026 0 Kommentare
Gott erkennen - das muss man wollen
Gott erkennen - das muss man wollen
# Impulse

Gott erkennen - das muss man wollen
Gott erkennen – das muss man wollen
Gedanken zu Josua 1,1-9
1
Kleine Füße auf großen Schuhen – so steht sie, vermutlich ein Mädchen, auf der großen Bronzefigur. Sie ist sicher nicht die erste, die so dasteht. Wir erkennen, dass die bronzenen Schuhe glänzen. Viele Menschen haben schon Bilder von sich gemacht auf den Schuhen der großen Figur. Man hofft auf ein wenig Kraft und Größe, also auf einen Anteil an der Figur, auf der man steht. Die Figur ist berühmt. Wenn ich auf ihr stehe, fällt etwas Glanz auf mich. Ich bekomme ein wenig von der Kraft des oder der anderen.
2
Kleine Füße auf großen Schuhen – das ist, bildlich gesprochen, die Lage des Josua im Alten Testament. Die jahrzehntelange und mühsame Wanderung des Volkes Israel aus Ägypten ins von Gott versprochene gelobte Land kommt zum Ende. Mose darf von einem Berg aus das Land noch sehen, aber nicht mehr betreten. Mose stirbt und übergibt die Leitung des Volkes an Josua. Nun steht Josua auf den Füßen des Mose, sozusagen. Die Schuhe sind groß, beinahe erhaben groß; und Josua fühlt sich eher klein und ängstlich.
Aber Josua bekommt, was auch Mose bekam: den Beistand Gottes. Neuland betritt man am besten mit Gottes Hilfe. Ein neues Jahr ist wie Neuland. Da tut es gut, wenn wir hören, was Josua und uns zugesagt wird: Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.
Vielleicht einer der schönsten, segnenden Sätze in der Bibel.
3
Einen Augenblick sollten wir aber noch innehalten vor Betreten des gelobten Landes. Und uns daran erinnern, was diese Textstelle für heute bedeutet. Gott schenkt Israel ein Land, in dem ja schon Menschen siedeln. Das dürfen wir nicht vergessen. Das Land ist nicht leer. Dort wohnen, arbeiten, lachen und weinen Menschen, Familien, kleine Völker. Die werden, sage ich vorsichtig, bald verschwinden. Entweder heißt es, dass Gott sie vertreibt – oder die Israeliten werden sie, auch auf kriegerische Weise, vertreiben. Ist das erlaubt?
Das ist eine brisante Frage, die bis heute nachwirkt. Wem gehört das Land von der „Wüste bis zum Libanon“? Alle Versuche, dort die zwei Staaten Israel und Palästina zu errichten, sind seit 1945 gescheitert. Sowohl Israel als auch Palästina beanspruchen für sich Gebiete, die den jeweils anderen gehören oder gehören sollten. Und noch eine andere Frage tritt aus dem biblischen Text hervor. Darf man das Landgeschenk Gottes an Israel so verstehen, dass es heute in der politischen Auseinandersetzung eine Rolle spielt? Sind die Grenzen des Alten Testaments für Jahrtausende gottgegeben und unverrückbar – oder sind sie verhandelbar?
4
Wir können diese Jahrhundertfragen nicht lösen. Wir dürfen aber dankbar hören, dass wir das Neuland mit Namen 2025 nicht alleine betreten. Gott, der uns durch unsere Lebensjahre begleitet hat, wird uns auch weiter begleiten. Wir stehen, bildlich gesprochen, wie das Mädchen mit ihren kleinen Füßen auf sehr großen, bronzenen Schuhen und haben Anteil an der Kraft und Größe unseres Gottes: Gott ist mit uns in allem, was wir tun werden.
Können wir das so empfinden? Können wir das glauben?
5
Tatsache ist: Es ist uns zugesagt, wie es Josua zugesagt ist. Uns wird keine Erfüllung unserer Wünsche zugesagt, aber die Begleitung Gottes. Uns wird nicht zugesagt, dass wir nun alles richtig und gut machen werden. Aber uns wird die Nähe Gottes versprochen auch dann, wenn wir falsch handeln. Oder, wie Dietrich Bonhoeffer dichtete (EG 65,7): Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Das bedeutet: Wir haben die Zusage; also werden wir die Nähe Gottes auch erfahren, wenn wir sie erfahren wollen. Gott ist da; erkennen aber müssen wir ihn. Gott erkennen -– das muss man wollen. Man muss nach ihm suchen, nach ihm fragen, das eigene Leben deuten und überlegen, was dieser Tag oder dieses Erlebnis mit Gott zu tun haben könnte. Gott ist da – aber erkennen müssen wir ihn selber. Gott zeigt sich bescheiden. Ich erfahre ihn, wenn meine Sinne offen sind für ihn. Immer, jeden Tag, kann ich mich leise fragen: Was könnte dieser Tag mit Gott zu tun haben? Will er mir etwas zeigen? Kann ich ihm dankbar sein?
Gott erkennen – das muss man wollen. Er geleitet und begleitet unser Leben auch im Neuland „neues Jahr“. Erkennen kann ich ihn, wenn ich nach ihm frage. Und wenn ich seine Fürsorge für mich erkenne, lebe ich getrost und unverzagt.
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