Deichschaf des "J"

Deichschaf des "J"

Deichschaf des "J"

# Impulse

Deichschaf des "J"

Deichschaf des „J“ 

1

Wir gehen den Deich entlang. Es weht immer kräftig von vorn. Wir ziehen unsere Jacken fester um uns und stemmen uns gegen die Böen. Nieselregen setzt ein. Muss das sein?

Wir wollten doch nur mal eben spazieren gehen, uns den Wind um die Nase wehen lassen. Aber irgendwie passt das Wetter auch zu unserer Stimmung. Unser Gespräch ist auch immer düsterer geworden. Die Sorge um die politische Lage in unserem Land, in Europa – ja weltweit. Je weiter wir unsere Gedanken haben streifen lassen, umso mehr schier ausweglose Situationen haben wir angesprochen. Wir lesen unterschiedliche Zeitungen, verfolgen verschiedene Sendungen: Es sind so viele Stimmen, die die aktuelle Lage interpretieren und die weitere Entwicklung vorhersagen. Doch wer wird recht behalten?

Es sind außerdem nicht nur irgendwelche politische Diskussionen, nicht bloß ein Austausch von Perspektiven und Meinungen. Wir kennen Menschen, die konkret betroffen sind, die selbst fliehen mussten, die versuchen, den Kontakt zu ihrer Familie aufrecht zu erhalten, irgendwie zu unterstützen, zu trösten. Und wir fühlen uns hilflos, irgendetwas an ihrer Situation zu ändern. Unerwartete Schicksalsschläge im Privaten – auch verursacht durch die weltpolitische Lage. Manchmal ist es schwer, einen Silberstreif am Horizont zu sehen.

2

Da kommt plötzlich ein Schaf von der Seite angelaufen. Es hoppelt blökend an uns vorbei – zielgerichtet auf seine Herde zu. Sie grasen weiter hinten auf dem Deich, fast völlig im Nieselregen und Nebel verborgen. In unser Gespräch vertieft, hatten wir sie bisher noch gar nicht wahrgenommen. Aber das Schaf weiß genau, wo es hinwill. Jetzt sehen auch wir, dass ein Geländewagen bei der Herde steht. Der Schäfer ist schon ausgestiegen und immer mehr Schafe sammeln sich um ihn. Deshalb hat es unser Schaf also so eilig. Es muss den Ruf der vertrauten Stimme gehört haben. Als es gerade neben uns ist, sehen wir seine Markierung. Das Schaf hat ein J auf den Rücken gesprüht. „Hey, ein Jesus Schaf!“ Wir müssen herzlich lachen! Da muss erst ein Schaf vorbeikommen, um uns daran zu erinnern, zu wem wir gehören!

 

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. Johannes 10 i.A.

3

„Ich bin der gute Hirte!“ sagt Jesus zu denen, die ihm zuhören. Dabei ist er ja nicht der einzige, der durch die Lande zieht, um den Menschen die Zeichen der Zeit zu erklären, sie sogar mit Gottes Handeln in Verbindung zu bringen. Das Bild, das vielen von Kindesbeinen an vertraut ist, das sie aus den Schriften kennen, spricht in ihren Alltag. Kleinvieh, Schafe und Ziegen, hält doch jeder.

Doch man muss schon genau hinhören. Jesus wagt es, diesen Vergleich nicht auf Gott zu beziehen, sondern auf sich selbst! Das muss sich für viele unerhört angehört haben. „Ich bin der gute Hirte!“ und er setzt noch nach: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Er bezeichnet sich nicht als „guter Hirte“, weil er die saftigsten Weideplätze kennt, das erfrischende Quellwasser. Nein, er bezeichnet sich als der „gute Hirte“, weil er für sie aufs Ganze geht und bereit ist, sein Leben für die Schafe zu geben: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (V.11) Außerdem ist ihr Umgang miteinander so vertraut, dass sie sich gut kennen, dass sie seine Stimme erkennen. Und er verspricht ihnen Sicherheit: Niemand, so sagt er, „…niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ – für immer und ewig.

4

Auf dem Deich haben wir herzlich gelacht. Unser Gespräch hat durch das Jesus-Schaf eine heiterere Note bekommen. Ja, unsere Sorge um Menschen, die uns nahestehen, und um die Lage der Welt war dadurch nicht weniger geworden. Aber irgendwie fühlte es sich leichter an. Wir sind nicht allein unterwegs und wir müssen unsere Angst nicht alleine tragen.

Da muss erst ein Schaf vorbeikommen, um uns daran zu erinnern, zu wem wir gehören!

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