Geistliche Impulse

Lehrtext vom 29. Mai:

Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.
Lk 24,52-53

Diese Worte gehen mir nahe. Ich denke dabei an die vergangenen Wochen. Daran, dass wir keine persönlichen Gottesdienste feiern durften und an die Stimmungsachterbahnfahrt von entmutigt, über hoffnungsvoll bis „total ätzend“.

Nun dürfen wir uns endlich wieder versammeln, wenn auch noch vorsichtig. Auch wir kehren jetzt in unsere Kirchen zurück, wie die Jünger in den Tempel. Bei meinen ersten beiden richtigen Gottesdiensten seit der Coronakrise habe ich sie deutlich gespürt: die Freude darüber, endlich wieder mit den Glaubensgeschwistern zusammen sein zu können. Und die Freude darüber, dass Christus lebt und seine Gemeinde durch alles hindurchträgt! Lasst und Gott danken und ihn preisen!

https://www.youtube.com/watch?v=zd_SEt11y48

Tagesimpuls vom 15. Mai

Corona hat für manche viel Zeit gebracht über sich nachzudenken. Vielleicht helfen heute dazu Gedanken von Dietrich Bonhoeffer:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und feste
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer , der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge.
Ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen.

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlicher Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenen Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.

Dietrich Bonhoeffer, Juni 1944

Ein Vers, der alle Rekorde bricht - 7. Mai

„Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.“ (Nehemia 7,19)

Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, welcher Vers am häufigsten in der Bibel steht, dann hätte ich keine Antwort gewusst. Doch in meiner Arbeit an der Erzählung vom Auszug Israels aus Ägypten verwies ein jüdischer Kommentar auf diesen Vers. Man liest ihn zum ersten Mal in 2. Mose 34 nach der Geschichte vom Goldenen Kalb. Das Volk Israel ist gerade der Sklaverei entkommen und hat einen Bund mit Gott, seinem Befreier geschlossen. Doch noch am gleichen Ort bricht es den Bund und feiert einen Gottesdienst um ein aus Gold gegossenes Götterbild. Die bange Frage hängt in der Luft. Wird Gott sich von seinen Leuten wieder abwenden? Oder wird er an ihnen festhalten und den Weg in die Freiheit mit ihnen fortsetzen? Da antwortet Gott selbst: „Ich bin es, der HERR, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte!“ Ich behafte Euch bei Eurer Schuld, aber ich halte an Euch fest. Was Ihr falsch gemacht hat, soll Euch die Zukunft nicht verbauen!

Von da an wird die Bibel nicht müde, dieses Wort zu wiederholen. Er begegnet uns in den Psalmen 86, 103 und 145. Der Prophet Jona weigert sich, der bösen Stadt das Gericht zu predigen, weil er befürchtet, dass Gott sich treu bleibt und barmherzig ist (Jona 4,2). Und auch eines der spätesten Bücher des Alten Testamentes bewahrt dieses Wissen. Gott ist ein Gott der Vergebung (Nehemia 7,19).

Es gibt ein Konzept zum Umgang mit schwer erziehbaren Jugendlichen, das der israelische Psychologe Haim Omer entworfen hat, Es folgt dem Grundsatz: „Bleiben, wenn es schwierig wird!“ In Konfrontationen bringt es nichts, sich gegenüber „schwierigen“ Kindern im Kampf zu behaupten und den Konflikt mit Strafen zu beenden. Es gilt, die Konfrontation beharrlich auszuhalten, in Beziehung zu bleiben und den Weg mit ihnen weiterzugehen. Gott geht es in der Bibel nicht um die Beschämung der Schuldigen, sondern er hat die Aufrichtung der Gefallenen vor Augen. Er sperrt niemanden ein, sondern will, dass wir Flügel bekommen.

Arno Wittekind

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Losung für heute, den 6. Mai - Gott spricht:

„Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen (...); Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene.“ Jesaja 42,16

Tappen wir vielleicht doch im Dunkeln mit all unseren Versuchen, gut wieder aus dieser Zeit heraus zu kommen? Er kommt mir recht holprig vor, der Versuch der Verantwortlichen, Regeln aufzustellen und wieder zu lockern, Verlautbarungen und Prognosen von sich zu geben und wieder zu revidieren. Wir stolpern durch den Schilderwald der Auflagen und Hygienevorschriften vor uns hin und hoffen, dass wir gut wieder hinausfinden.

Da merke ich wenig davon, dass Gott „Das Höckerige“ eben macht. So ist das Leben doch nicht. Zurzeit nicht und auch sonst erleben wir doch, dass wir immer wieder Steine im Weg vorfinden, mühsam auf Berge hochkraxeln müssen oder an Schotterabhängen herunterrutschen.

Wenn Gott das Höckerige eben macht, dann beseitigt er nicht die Herausforderungen und Schwierigkeiten unseres Lebens. Die sind auch nicht unser eigentliches Problem. Gott widmet sich vielmehr den Steinen unseres Herzens. Die Schluchten unserer Verzagtheit füllt er auf, die Berge unseres Hochmutes reißt er ein. Er hebt die Felsbrocken und sammelt die Kiesel. So wird das Höckerige zur Ebene.

Mit einem befreiten und aufgeräumten Herzen wird die mühsame Lebenswanderung zu einer guten und frohen Wanderung!

Tagesimpuls von Christine Köntopp 1. Mai

Heute ist der erste Mai!
Viele wären gerne zum Tanz in den Mai gegangen. Aber geht ja leider nicht. Nicht nur beim Tanzen, sondern bei sehr vielen Sachen gilt zurzeit: „Das kannst du nicht machen. - Da darfst du nicht hingehen.“ Da sind uns die Hände gebunden. Und die Füße.
Auch in seinem Inneren kann man sich festgebunden oder wie gelähmt fühlen.
Das Sängerinnen-Duo MaryMary singt in ihrem Lied „Shackles“:
„Nicht mal ganz tief in meinem Inneren find´ ich einen Grund zu glauben, dass ich frei werden kann. Ich war einfach zu lange am Boden.“
Aber dann erzählt das Lied von der Erfahrung, dass Gott frei macht von allen Fesseln:
„Indem ich meine Hände erhebe verstehe ich, dass ich dich (Gott) auch in diesen Umständen loben kann!“
Gott befreit uns dazu, ihn zu loben – auch wenn von außen betrachtet die Einschränkungen noch da sind.
Psalm 30,12
„Du hast mein Klagelied in einen Freudentanz verwandelt!“

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Tagesimpuls von Johannes Ditthardt 30. April

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1
Im Psalm 73 gibt es zweimal dieses "dennoch", immer irgendwie trotzig gesprochen. Ganz am Anfang - dennoch ist Gott unser Trost und dann noch mal fast am Ende - dennoch bleibe ich stets an dir - und dazwischen ganz viel Klage über das, was dem Beter gerade so in seinem Leben passiert. Wir wünschen euch, dass dieses "dennoch" euer Leben bestimmt, egal, in welcher Situation ihr euch gerade befindet. Dazu dieses Lied von Thea Eichholz!!

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Tagesimpuls 29. April Arno Wittekind

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“
(Prediger 9,10)
Für viele Menschen war das Leben vor Corona ein viel stärker geplantes Leben. Mit gefülltem Terminkalender hasteten selbst Schulkinder durch die Arbeitswoche. Mit dem durchstrukturierten Alltag ist es nun seit Wochen für viele vorbei. Es muss improvisiert werden. Es fehlt die Abwechslung. Ein herber Verlust. Auf der anderen Seite entsteht der Freiraum, das zu tun, was uns vor die Hände kommt.
Ich denke an die Geschichte vom barmherzigen Samaritaner. Dort liegt ein ausgeraubter Reisender halbtot am Wegesrand. Und ein frommer Geistlicher und ein gelehrter Jurist mit vollem Terminkalender eilen an ihm vorbei, ohne zu helfen. Sie sehen, dass ihr Einsatz gefragt ist, aber sie haben zu wenig Zeit, oder stehen zu sehr unter Stress. Sie begreifen nicht, dass der Verwundete ihnen vor die Hände gekommen ist, damit sie etwas tun. Nur ein Fremder hält an. Er macht keinen Bogen um die Not. Er erbarmt sich.
Ich denke an den Schweizer Geschäftsmann Henri Dunant, der im Jahr 1859 in Norditalien auf einer Geschäftsreise zufällig an dem Kriegsschauplatz nach der Schlacht von Solferino vorbei kam. Der Kampf war lange vorbei, aber es lagen noch 38.000 Verwundete und Sterbende auf dem Feld, ohne dass sich jemand um sie kümmerte. Er unterbrach seine Geschäftsreise und organisierte Hilfe. Aus einer nahegelegenen Kirche wurde ein Lazarett. Henri Dunant wurde zum Gründer des Roten Kreuzes und initiierte die Genfer Konvention.
Auch in dieser Zeit erlebe ich, dass vieles Improvisierte von bleibendem Wert ist. Viele Menschen tun, was ihnen vor die Hände kommt, und es entsteht Neues, das hoffentlich bleibt, wenn die Krise vorbei ist.
Arno Wittekind
Das Bild zeigt den Barmherzigen Samaritaner und ist von Vincent van Gogh.